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Heimatverein Hundheim 2000 e.V.

13.06.2012: Trierischer Volksfreund

Alte Lieder neu vertont

Ein Gemeindehaus wird zum Tonstudio: Um die alten Melodien, die in Hundheim gesungen wurden, zu erhalten, hat der Heimatverein eine CD aufgenommen. 31 Sänger wagten sich an das ungewöhnliche Projekt.

Von unserer Reporterin Hannah Schmitt
 
 
Hundheim. Mir lasse die Burg in Hundem, denn do geheat se hin. Wat soll die dann in Morbach, dat hätt doch kääne Sinn, singen die Hundheimer im Baldenaulied und werfen einen neckischen Blick auf ihren Nachbarn. Damit Lieder wie dieses - und vor allem auch die passende Melodie dazu - erhalten bleiben, hat der Hundheimer Heimatverein nun eine CD aufgenommen.
Doch nicht nur das Baldenaulied schallt bald von der Musikanlage herüber. Auch der Song vom Schütze Herbert und seiner Wirtschaft, Kein schöner Land oder das Rennsteiglied sind als ein Stück Kulturgut für die Zukunft konserviert - gemeinsam mit 33 weiteren traditionellen Volksliedern und alten Hundheimer Melodien. Dafür hatte der Heimatverein 31 Sänger zusammengetrommelt. Männer und Frauen, von der Zehn- bis zur inzwischen 90-Jährigen: Ein buntgemischter Haufen eben, der in dieser Konstellation noch nicht zusammengesungen hatte.
Wie sich das Ergebnis tatsächlich anhört, wissen derzeit aber nur die wenigsten. "Ich glaube, ich bin fast die einzige, die die CD schon gehört hat", sagt Petra Schommer, Vorsitzende des Heimatvereins und Organisatorin des Projekts. "Und ich bin ganz begeistert!" Der Anspruch sei aber auch nicht gewesen, die richtigen Texte perfekt zu präsentieren, sondern die Lieder nachsingbar zu machen. Dennoch hätten auch noch während der Aufnahmen nicht alle daran geglaubt, dass es tatsächlich funktioniert.
Denn das ganze Unterfangen war ein kleines Abenteuer: Einmal proben bei Kaffee und Kuchen musste reichen. "Es sollte ja so sein wie früher, wenn einfach so spontan gesungen wurde", erzählt Rita Winkel, deren Schwiegersohn Thomas Müller die Idee zu der CD hatte. Entstanden ist sie nach einer Familienfeier, bei denen die Winkels immer viel gesungen haben. Das gehe bereits auf ihre Mutter zurück, die eine wunderschöne Stimme gehabt habe, erzählt Rita Winkel weiter.

Singen vor Zäunen und Matten

Mit den Eindrücken der Probe in der Tasche ging es dann ins improvisierte Tonstudio im Gemeindehaus des 660-Seelen-Orts. Das mussten die Sänger zuerst mit Bauzäunen, Schaumstoffmatten, Handtüchern und jeder Menge Lautsprechern präparieren. Damit es beim Singen nicht so sehr halle, erklärt Aufnahmeleiter Thomas Müller.
Nun ist die CD fast fertig - mit all ihren Besonderheiten. Insgesamt vier Stunden lang können Volkslied-Fans und alle, die es werden wollen, bald den jahrhundertealten Stücken lauschen. Und dennoch war nicht für alle Platz. Zwei Lieder haben laut Müller nicht mehr draufgepasst. Aber nicht nur Musik ist darauf zu hören, auch Lacher, Gerede und etwas von dem Aufnahme-Durcheinander haben den Weg auf die Platte gefunden. "Ich wollte nicht alles rausschneiden", sagt Müller, der die Lieder hinterher in seinem eigenen Heimstudio im Keller bearbeitet hat. Für Petra Schommer ist die CD gerade deshalb rundum gelungen.
Und vielleicht kommen die Hundheimer mit ihrer Platte auch groß raus. Sie hätten den Filmemacher Edgar Reitz angeschrieben und angeboten, dass er die CD in seinem neuen Film unterbringen könne, erzählt Müller. "Er hat aber noch nicht geantwortet."
Verkaufsstart und Vorstellung der CD ist beim Mittsommerfest des Hundheimer Heimatvereins an der Hundheimer Grillhütte "Bassinghett", am Samstag, 30. Juni, ab 15 Uhr. Zu der CD gibt es auch ein Begleitheft mit den Texten.
Untertext Foto:
Improvisierte Aufnahme im Hundheimer Gemeindehaus: Vor gepolsterten Bauzäunen geben die 31 Sänger die alten Melodien zum Besten. Herausgekommen ist eine CD mit 37 Liedern.
Foto: Frank Butzen, CD-Cover: Verity Carroll , TV-Fotomontage: Birgit Keiser

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