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Heimatverein Hundheim 2000 e.V.

28.12.2012: Trierischer Volksfreund, Waldfriedhof

Vereine wollen Waldfriedhof in Morbach

(von Christoph Strouvelle)
Eine gemeinsame Initiative der Heimatvereine Gonzerath und Hundheim wirbt für die Einrichtung eines Waldfriedhofs in Morbach. Bürgermeister Hackethal lehnt dies ab. Die Pfarrer haben unterschiedliche Meinungen.

Morbach. Die Bestattungskultur hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Immer mehr Menschen hätten den Wunsch nach einer naturnahen Waldbestattung, sagt Petra Schommer vom Heimatverein Hundheim. "In den vergangenen Monaten wurden drei Gonzerather im Ruheforst Niederhosenbach bestattet", sagt sie. Zudem sind ihr Menschen aus mehreren Morbacher Ortsteilen bekannt, die sich bereits zu Lebzeiten eine Urnen-Grabstätte in einem Ruheforst oder Friedwald gekauft haben.
Die Heimatvereine Gonzerath und Hundheim haben sich in ihren Vorstandssitzungen mit dem Thema beschäftigt und wollen eine gemeinsame Initiative für einen Ruhewald in der Einheitsgemeinde Morbach starten. Acht Vertreter der beiden Vereine haben bereits die Naturbegräbnisstätte Trifelsruhe im pfälzischen Annweiler besucht. "Wir waren beeindruckt von der Ruhe und der Kraft und dem Frieden, der von diesem naturnahen und parkähnlichen Wald ausging", fasst Schommer die Eindrücke zusammen. Ulrich Wilbert aus Hundheim sieht das zusätzliche Angebot eines Waldfriedhofs als Ergänzung zu den bestehenden kommunalen Friedhöfen.
Bürgermeister Andreas Hackethal sieht keinen Bedarf für eine Bestattungsmöglichkeit im Morbacher Wald. "Man muss nicht jeder Modeerscheinung hinterherlaufen", sagt er. Hackethal verweist auf die kulturelle Bedeutung der traditionellen Friedhöfe als gesellschaftliche Anlaufstellen, auf denen die Toten in Ehren gehalten werden.
Die Anlage eines entsprechenden Waldes mit Wegen und erforderlichen Gebäuden würde eine sechsstellige Investition erfordern, zuzüglich der Folgekosten wie ein erhöhter Personalbedarf, sagt der Bürgermeister. "Wir haben andere Prioritäten", sagt er mit Hinblick auf anstehende Investitionen bei Kindergärten, Schulen und Straßen. Professionelle Betreiber wie die Unternehmen RuheForst und FriedWald lehnten den Standort Morbach ab, weil das Einzugsgebiet für einen Bestattungswald nicht ausreiche, sagt Hackethal. Auch der katholische Pfarrer Michael Jakob äußert Bedenken. "Die Vorstellung von Naturreligionen, bei der Bestattung in einem Wald in den Naturkreislauf zurückzukehren, verträgt sich nicht mit den katholischen Glaubensgrundsätzen", sagt er. Auch Kreuze oder Grabsteine seien vielen Menschen wichtig, das gehe auf Waldfriedhöfen nicht. Doch sollte sich die Gemeinde für einen Waldfriedhof entscheiden, will Jakob dessen Einrichtung mitbegleiten.
Der evangelische Pfarrer Florian Brödner steht der neuen Bestattungsform grundsätzlich wohlwollend gegenüber. Bei einer Diskussion vor einigen Jahren hatte das Presbyterium die Bestattung per Urne im Wald noch als "esoterisch" kritisiert, sagt er. Doch bei Beerdigungen, die Brödner im Ruheforst Niederhosenbach begleitet hat, hat ihn die "positive Atmosphäre des majestätischen Waldes" überrascht. Eine antichristliche Haltung habe er dort nicht feststellen können.
Extra
Der nächstgelegene Waldfriedhof befindet sich in Niederhosenbach in der Verbandsgemeinde Herrstein. Er wurde 2007 angelegt und wird von der Ruheforst GmbH in Hilchenbach betrieben. Im sechs Hektar großen Eichenwald finden pro Woche durchschnittlich drei Beerdigungen statt. Das Einzugsgebiet beträgt etwa 50 Kilometer. Infos über die Konzepte der Waldfriedhöfe gibt es im Internet unter www.ruheforst.de oder www.friedwald.de. cst

Leserbriefe dazu, veröffentlicht am 3. Januar 2013:

Zum Artikel "Vereine wollen Waldfriedhof in Morbach" (TV vom 27. Dezember) schreibt dieser Leser: Jeder Mensch hat, unabhängig von Tradition, Religion oder Zwängen, die Freiheit, über die Form seiner Bestattung im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten zu entscheiden. Die Beisetzung in einem Friedwald beziehungsweise Ruheforst ist eine Entscheidung, die aus vielen Erfahrungen des vergangenen Lebens heraus getroffen wird. Diese Entscheidung ist zu respektieren und die Schaffung von Möglichkeiten zur Bestattung im gewünschten Rahmen ist keinesfalls eine Modeerscheinung, wie im vorgenannten Artikel zitiert wird. Unabhängig davon muss die Frage erlaubt sein, ob es notwendig ist, diese Form der Bestattung in der Gemeinde Morbach zu ermöglichen, wenn in zumutbarer Entfernung bereits ein Ruheforst in Niederhosenbach besteht, wobei auch die Kosten für die Gemeinde nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Und spätestens an diesem Punkt zeigt sich, dass letztendlich objektiv betrachtet kein entsprechender Bedarf vorhanden ist und die bestehenden Möglichkeiten zur würdevollen Beisetzung als ausreichend anzusehen sind. Dirk Marx, Morbach

Lob an den TV für den Mut, sich an dieses Thema „heranzuwagen“.
Einige Aussagen bedürfen m.E. der Ergänzung:
Der Heimatverein Hundheim hat in seiner Vorstandssitzung das Thema „Waldfriedhof“ besprochen und sieht dies als Zukunftsthema der nächsten Jahre. Wir möchten in den eigenen Reihen und in der Morbacher Bevölkerung einen Diskussionsprozess starten, damit sich viele unserer Bürger eine eigene Meinung bilden über das Thema „Waldfriedhof/Friedwald“, welcher parallel zu den bestehenden Friedhöfen angeboten werden soll.
So haben wir bereits manches gute Gespräch geführt (und freuten uns über die grundsätzlich wohlwollende und positive Stimmung der beiden Morbacher kath. und ev. Kirchenvertreter, Pfarrer Jakob und Pfarrer Brödner). Denn natürlich ist eine christliche Urnenbestattung auf einem Waldfriedhof möglich: auf dem Foto, das im TV veröffentlicht war, sah man im Hintergrund einen Andachtsplatz mit Holzkreuz, im Vordergrund die Namenschilder (anstelle Grabstein), auf denen z.B. ein christliches Zeichen, die persönlichen Daten des Verstorbenen, und ein Spruch eingraviert werden können.
Im Artikel wurde der uns am nächsten gelegene Ruheforst, Niederhosenbach, genannt. Dort sind seit seiner Eröffnung im Jahre 2007 inzwischen 2.500 Urnengrabstätten verkauft worden und 500 Beisetzungen gewesen (ziemlich viel für eine „Modeerscheinung“!).
Schon in der Überschrift des Artikels werden „Kosten in sechsstelliger Höhe“ genannt (welche sich mit Einnahmen refinanzieren). Die Firmen „Friedwald“ und „Ruheforst“ betreiben deutschlandweit Waldfriedhöfe, und machen dies nicht nur aus ideellen, sondern auch aus finanziellen Gesichtspunkten. Den Kommunen muss der finanzielle Aspekt ebenfalls wichtig sein. Auch deshalb werden wir mit einer Abordnung bereits im Februar nach Mastershausen fahren, wo gerade ein neuer kommunaler Waldfriedhof eingerichtet wird. Mitfahrer sind herzlich willkommen.   Petra Schommer

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